Aktie der Woche vom 25.06.00
Akamai
(WKN 928906)
Branche: Internet- Dienstleistung
Zur Charttechnik:
Anhand des Chartverlaufs
kann man gut erkennen, daß nach der Neuemissions- Euphorie im letzten
Jahr Gewinnmitnahmen den Kurs schnell unter Druck brachten. Innerhalb eines
steilen Abwärts- Trendkanals im März/ April diesen Jahres verlor
Akamai mehr als 80% an Marktwert. Dieser Trendkanal wurde durch eine Konsolidierung
(Seitwärts- Trendkanal) abgelöst. Aktuell kann man erkennen,
daß der Chart versucht, die obere Begrenzung zu durchbrechen. Diese
Marke (ca. 100$) stellt einen Widerstand dar, an dem der Chart in den letzten
Wochen oft gescheitert ist. Sollte ein signifikantes Überschreiten
gelingen, so sollte in Zukunft auch die psychologisch wichtige Erstnotiz
in diesem Bereich als Unterstützung dienen. Scheitert jedoch Akamai
an dieser Marke, was wir nicht erwarten, muß das Rückfallrisiko
auf ca. 85$ (38 Tage Durchschnitt) und 56$ (Tiefststand)
beziffert werden.
Der 38 Tage Durchschnitt
wurde erstmals seit einigen Monaten nach oben durchbrochen. Deutlich
ist zu erkennen, daß sogar eine kurzfristige Konsolidierung direkt
oberhalb des Durchschnittes erfolgt ist. Somit dürfte dieser Durchschnitt
in Zukunft als Unterstützung dienen. Der 100 Tage Durchschnitt wird
erst im Bereich von 150$ einen Widerstand darstellen.
Die Umsätze vor dem
Kursrutsch waren wesentlich geringer als heute; dies zeigt, daß zu
den derzeit günstigen Kursen ein großes Interesse an Akamai
besteht und sollte positiv gewertet werden. Außerdem dürfte
nach diesem Kursverfall nun jeder seine Akamai Aktien verkauft haben und
resigniert sein, der nicht von dem Unternehmen und der Idee überzeugt
ist; dies sollte den Verkaufsdruck in nächster Zeit mindern.
Das Momentum ist
eindrucksvoll aus einem Abwärts- Trendkanal ausgebrochen;
hier ist inzwischen sogar ein kleiner Aufwärtstrend zu erkennen. Ebenso
ist der MACD zu beobachten. Solange beiden Indikatoren nicht wieder
in ihre Abwärtsbewegungen hineinlaufen, kann man von einer Trendwende
ausgehen, die als Vorläufer des Kursverlaufs gewertet werden kann.
Anhand dieser Informationen
erwarten wir in den nächsten Wochen ein nachhaltiges Überschreiten
der 100$ Marke. Dies eröffnet ein mittelfristiges Potential
bis zum nächsten stärkeren Widerstand bei ca. 200$;
hierbei ist natürlich der 100 Tage Durchschnitt zu berücksichtigen,
der zwischenzeitlich zu einer Konsolidierung führen kann. Langfristig
erwarten wir ein überdurchschnittliches Potential für Akamai.
Zum Unternehmen:
Eine neue Version des beliebten
Computerspiels "Moorhuhn" erscheint im Internet. Der Trailer für den
neuen Film "Mission Impossible 2" steht zur Ansicht auf der Homepage des
Filmstudios. Die Backstreet Boys erscheinen zum Chat bei einem Online Dienst.
Jedes dieser drei Beispiele
hat dieselbe Folge: Eine große Nachfrage. Innerhalb kurzer Zeit werden
sich überdurchschnittlich viele Besucher auf den entsprechenden Internetseiten
wiederfinden. Natürlich will jeder so schnell wie möglich das
neue Spiel haben, den neuen Trailer gesehen und die erste Frage gestellt
haben. Dies hat genauso wie beispielsweise in einem Kaufhaus zur Folge,
daß der gesamte Betrieb belastet und stark verlangsamt wird, oder
sogar zusammenbricht. Natürlich ist es gerade das Ziel der Internetunternehmen,
möglichst viele Besucher auf ihre Seiten zu locken. Was können
die Unternehmen aber gegen die Langsamkeit ihrer Dienste und Netze tun,
wenn viele Besucher gleichzeitig versorgt werden wollen?
Hier kommt der Dienstleister
Akamai ins Spiel. Die vom amerikanischen Unternehmen entwickelte Software
FreeFlow macht es möglich, "Daten-Staus" zu vermeiden. Durch die
Anbindung aller Kunden an das eigene Netzwerk wird automatisch jede Nachfrage
nach einer Seite der Kunden in der Zentrale in Cambridge registriert. Wenn
nun vermehrt dieselben Seiten nachgefragt werden, schaltet die Software
automatisch Kopien der entsprechenden Seiten auf "Ausweich-Server". Hierzu
unterhält Akamai derzeit mehr als 4000 Server in über 48 Länder.
Die "Ausweich-Server" werden natürlich in unmittelbarer Nähe
der Nachfrage gewählt, damit der Weg der Besucher so kurz und schnell
wie möglich ist. Die "Umleitung" zu einem anderen Server merkt der
Besucher nur dadurch, daß er weiterhin eine schnelle Internetverbindung
hat. So kann die Software schon im Vorfeld Datenstaus und dadurch mögliche
Serverzusammenbrüche verhindern.
Akamai kann aber neben dem
Service seine Kunden auch mit dem Preis überzeugen. Alle Partner bezahlen
nur den Speicherplatz, den sie genutzt haben. So entstehen auf Kundenseite
nur Kosten, wenn eine überdurchschnittliche Nachfrage nach den Seiten
vorhanden war. Gerade dies macht die Dienstleistungen von Akamai für
viele Firmen interessant, da neben einer permanenten Überwachung der
Nachfrage nur bei Beanspruchung von Serverplatz Kosten anfallen. So kann
Akamai inzwischen u.a. Apple, AOL, Microsoft, Cisco Systems, IBM, Reuters oder Yahoo!
zu seinen Kunden zählen; die gesamte Kundenzahl übersteigt inzwischen
die 600er Marke!
Dies hat dazu geführt,
daß Akamai inzwischen zum Marktführer sowohl im Marktanteil,
im Vertrieb und in der Forschung aufgestiegen ist. Die Konkurrenten
haben es schwer, da die Technologie von Akamai nicht nur geschützt,
sondern auch technisch ausgereift ist; die GartnerGroup stellte deshalb
fest, daß das Akamai Netz jedem einzeln arbeiteten Internetsystem
überlegen ist.
So kann Akamai im ersten
Quartal diesen Jahres ein Umsatzwachstum von 167% auf rund 7 Millionen
Dollar vermelden, wohlgemerkt im Vergleich zum Vorquartal! Allerdings betragen
die Verluste rund 23 Millionen Dollar. Dies führte dazu, daß
Akamai auf der aktuellen "Todesliste" des US- Magazins Barrons erschien.
Hier werden regelmäßig Unternehmen aufgeführt, von denen
die Redakteure anhand ihres Schuldenberges in den nächsten Jahren
einen Bankrott erwarten. Allerdings sollte man auch berücksichtigen,
daß Akamai neben finanzstarken Teilhabern und Partnern wie z.B. Microsoft
und Cisco Systems auch über rund 200
Millionen Dollar Cash verfügt. Zusammen mit einer Vielzahl an Kunden
und einer anerkannten Technologie kann man, meinen wir (Trendstocks Team),
der "Todesliste" und dem Schuldenberg gelassen entgegen sehen.
Auch dem entsprechenden
Markt wird ein großes Wachstum bescheinigt. Die Internet Research
Group (IRG) erwartet hier ein jährliches Wachstum von 170%. Während
im Jahr 1999 noch 125 Millionen Dollar umgesetzt worden waren, rechnet
man im Jahre 2006 schon mit 6 Milliarden Dollar. Der Analyst Jim Linnehan
vom Haus Thomas Weisel Partners hält dies sogar noch für zu niedrig.
Er meint, daß diejenigen, die eine gute Transportmöglichkeit
für Internetinhalte anbieten, über eine Goldader verfügen.
Ähnlich sehen dies
auch andere Analystenhäuser und stufen Akamai positiv ein. So z.B.
die auf HighTech Titel spezialisierte Häuser Chase H&Q und
Wedbush Morgan, die Akamai im Juni mit BUY in ihre Berichterstattung
aufnahmen. Das Haus Kaufman Brothers urteilte sogar STRONG BUY
mit einem Kursziel von 185$ (2.5.00). Morgan Stanley schätzt
Akamai als Outperformer ein und meint, Akamai habe das stärkste
Entwicklungs- und Forschungs-Team in diesem Geschäftsbereich. Somit
sollte sich Akamai eindeutig zu der Konkurrenz abgrenzen können (9.6.00).
Bear Stearns zählt Akamai zu den besten Internet-Infrastruktur
Unternehmen (21.6.00). Insgesamt urteilen aktuell vier US- Analystenhäuser
mit BUY, und sogar vier Häuser mit STRONG BUY
(Bear Stearns, DLJ, Kaufman Brothers, Lehman Brothers, Morgan Stanley,
Salomon Smith Barney, Thomas Weisel Partners, Wedbush Morgan).
Aber auch die Fachpresse
billigt Akamai positive Aussichten zu. Die Zeitschrift DM meint,
daß "der Kurs trotz Turbulenzen wieder Potential bis 320 Euro
hat" (5/2000). Das Magazin Finanzen zählt Akamai zu den "20 besten
Internet Companies" (6/2000). Auch das von vielen Lesern geachtete
Blatt Aktionär empfiehlt den Kauf von Akamai. Laut ihren Angaben
kann sich Akamai zu einem "unverzichtbaren Bestandteil des Internet" entwickeln;
man setzt hier ein Kursziel von 150 Euro (11.5.00).
Fazit:
Akamai profitiert quasi
automatisch vom Wachstum im Internet. Durch die entwickelte Software kann
man es weltweit allen interessierten Kunden ermöglichen, Datenstaus
zu vermeiden. Akamai braucht lediglich weitere Server aufzubauen, um zu
wachsen. Da zu erwarten ist, daß auch in Zukunft die Masse an Informationen
im Internet und die Nachfrage nach denselben eher zunehmen wird, sollte
Akamai hiervon überdurchschnittlich profitieren. Auch die Entwicklung
hin zu einem multimedialen Internet (Streaming Media) sollte aufgrund der
zunehmenden Datenmengen für Akamai sprechen. Deshalb sollten Anleger,
die von diesem Trend profitieren wollen, unter langfristigen Gesichtspunkten
ein Investment in Akamai tätigen. Allerdings sollte man berücksichtigen,
daß es immer wieder zu starken Kursschwankungen kommen kann. Dies
unterstreicht nicht nur die langfristige Orientierung, sondern auch die
Überzeugung von dem Unternehmen. Nur dann kann man auch mögliche
vorübergehende Kursverluste ruhig aussitzen.
Übrigens: Akamai ist
hawaiianisch und heißt auf deutsch "cool"...!
Weitere Infos zu Akamai:
Chart-Update vom 07. September 2000
Exklusiv-Interview
mit Akamai Präsident Wolfgang Stähle
Chart mit freundlicher Genehmigung der comdirect bank AG und teledata GmbH.
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