Aktie der Woche vom 11.06.00
Microsoft
(WKN 870747)
Branche: Software
Zur Charttechnik:
Auch Microsoft kann eine
beachtliche Performance vorweisen: Alleine in 1998 und 1999 ver4fachte
(!!!) sich der Kurs. Doch aktuell ist Vorsicht
geboten.
Anhand der eingezeichneten
Trendlinien kann man erkennen, daß sich die Aktie in 1997 und 1998
innerhalb eines Trendkanals aufwärts bewegte. Dieser wurde im Dezember
1998 nach oben durchbrochen. Seitdem bildete sich ein neuer aufwärtsgerichteter
Trendkanal, dessen untere Begrenzung die obere Begrenzung des alten Trendkanals
darstellte. Nun versuchte die Aktie im Dezember 1999 erneut den gebildeten
Trendkanal nach oben zu durchbrechen. Dies stellte sich aber als Bullenfalle
heraus. Statt nun aber weiterhin innerhalb des bisherigen Trendkanals zu
verlaufen, durchbrach Microsoft im Zuge der allgemeinen Korrektur im April
diesen Trendkanal nach unten. Zu diesem negativen Verlauf kommt hinzu,
daß auch der alte Trendkanal im selben Rückgang nach unten durchbrochen
wurde. Fakt ist nun, daß
der letzte dreijährige Aufwärtstrend
zerstört worden ist. Allerdings dürfte der Bereich um 60$
vorerst Halt bieten, da hier aus dem Jahre 1998 eine Unterstützung
verläuft.
Aber auch die Durchschnitte
lassen derzeit nur negative Urteile zu. Zum einen schnitt der kurzfristige
(38 Tage) Durchschnitt den langfristigen (200 Tage) Durchschnitt nach unten;
dies deutet meist auf eine kurz- bis mittelfristig schlechte Performance
hin. Weiterhin hat der langfristige Durchschnitt nach unten gedreht; dies
spricht meist auf mittel- bis langfristige Sicht gegen eine überdurchschnittliche
Performance. Ein positives Zeichen kann aber demgegenüber gesetzt
werden, wenn die Aktie den derzeitigen "Kampf" mit dem 38 Tage Durchschnitt
gewinnt und ihn nachhaltig nach oben durchbricht. Dann hätte die Aktie
kurzfristig Potential bis zumindest 78$ (ehemaliger Aufwärtstrend).
Leider spricht aber auch
das Momentum gegen eine nachhaltige Trendwende. Erstmalig konnte man vor
wenigen Wochen beobachten, wie die langfristige Unterstützung bei
ca. 100 deutlich nach unten durchbrochen wurde. Zwar hat sich der Kurs
rasch wieder erholt, doch sollte man hier vorerst eher von einer technischen
Reaktion ausgehen. Erst wenn bei einer erneuten Schwäche die alte
Unterstützungsmarke bei ca. 100 erneut bestätigt wird, kann man
beim erwähnten Durchbruch von einer Bärenfalle sprechen.
Schlimmer sieht es noch
beim MACD aus. Hier konnte man sogar früher verfolgen, wie die wichtige
langfristige Unterstützung bei knapp 0 durchbrochen wurde. Nach einer
kurzen Erholung, die an der genannten Marke 0 endete, ging es erneut bergab.
Darauf folgte aber eine starke Erholung, die den Chart wieder in den Bereich
oberhalb der wichtigen Marke brachte. Dies stellte sich aber erneut als
technische Reaktion (oder sogar Bullenfalle) heraus, und führte zu
einem erneut starken Einbruch. Nun befindet sich der MACD erneut an der
Marke knapp unter 0. Selbst wenn er diesen Widerstand erneut durchbricht,
kann man (wie bisher gesehen) noch keine Entwarnung geben. Erst eine Bestätigung
der ehemaligen Unterstützung innerhalb einer erneuten Schwäche
kann positiv gewertet werden.
Insgesamt sind wir aus
charttechnischer Sicht negativ zu Microsoft eingestellt.
Zwar kann es kurzfristig immer wieder zu Anstiegen kommen, doch sollte
die Summe an negativen Faktoren eine zumindest mittelfristig negative Entwicklung
vorgeben. Wir schätzen, daß das mittelfristige Potential
bei maximal 90-100$ liegt, da hier derzeit sowohl der 200 Tage Durchschnitt,
als auch ein ehemaliger Aufwärtstrend als starke Widerstände
verlaufen. Demgegenüber stehen allerdings Kursrisiken bis zur
nächststärkeren Unterstützung bei ca. 40$!
Kommentar zum Unternehmen:
Microsoft- Ein Name, den
(fast) jeder kennt. Er steht wie kein anderer für den amerikanischen
Traum: Jeder kann es aus einer Hinterhof- Garage zum Millionär schaffen.
Man braucht "nur" eine gute Idee, viel Ehrgeiz und Ausdauer, und schon
ist alles möglich. So hat es Bill Gates, Gründer und Hauptaktionär
von Microsoft, geschafft, selbst den damals übermächtigen Konzern
IBM auszustechen. Zwar wollte der damalige Angestellte von IBM, Bill Gates,
sein Betriebssystem Windows noch zusammen mit IBM auf den Markt bringen,
doch IBM lehnte dankend ab. Ein folgenschwerer Fehler, wie sich später
herausstellte. Gates kündigte und gründete mit einigen Freunden
zusammen Microsoft. Innerhalb von nur wenigen Jahren setzte sich das einfach
zu bedienende und benutzerfreundliche Betriebssystem immer weiter durch.
IBM versuchte zwar immer wieder, eigene Systeme zu entwickeln, doch sollte
keines an Microsoft Windows heranreichen. So kam es, daß bis heute
über 90% aller Rechner weltweit mit dem Betriebssystem Microsoft Windows
arbeiten. Dies bedeutet aber auch, daß diejenigen, die sich gerne
für andere Betriebssysteme entscheiden würde, auf Windows angewiesen
sind. Wie sollen sie sonst z.B. Dateien von Geschäftspartnern und
Freunden verarbeiten können?! Gates hatte noch nie viel wert darauf
gelegt, sein System kompatibel für Konkurrenz- Systeme zu gestalten.
Warum auch? Er lieferte ja alle notwendige Programme gleich mit. Durch
die inzwischen genauso verbreitete Software "Office", mit den berühmten
Programmen Word, Excel, Outlook & Co., verschaffte sich Gates ein weiteres
Monopol. Jeder, der sich heutzutage einen Computer kauft, wird sich dreimal
überlegen, nicht das Microsoft Paket mitzukaufen. Schließlich
hat man hier nicht nur gleich alles dabei, was man an Programmen im Alltag
braucht, sondern die Programme sind auch direkt aufeinander abgestimmt.
So hat man es relativ einfach, mit den Programmen und unterhalb der Programme
zu arbeiten. Leider hat die Konkurrenz derzeit nicht annähernd die
Produktpalette, Bedienungsfreundlichkeit und Kompatibilität zu bieten,
wie sie Microsoft bietet.
Bill Gates hat es somit
geschafft, quasi ein Monopol im Bereich der Betriebssysteme und der dazugehörigen
Standard- Software aufzubauen.
Dies begründet auch
den derzeitigen Prozeß gegen Microsoft. Grund für den Prozeßbeginn
war, daß Microsoft sein Internetnutzungsprogramm (Internet-Explorer/
ein Browser) kostenlos seiner Software beigelegt hatte. Dies geschah selbstverständlich
nicht aus Nächstenliebe. Grund war der damalige Konkurrent in diesem
Gebiet Netscape. Während Microsoft sich auf seinen Lorbeeren ausruhte,
eroberte sich Netscape den Browser- Markt. Relativ spät bemerkte dann
auch Microsoft, daß sie den Internet-Trend verschlafen hatten. Statt
über die Qualität Netscape auszustechen, versuchte man es über
den Preis. Da Microsoft über ihre anderen Geschäftsfelder große
Gewinne einfuhr, konnte man es sich leisten, den eigenen Browser sogar
zu verschenken. Man kalkulierte somit über einen gewissen Zeitraum
bewußt die so entstehenden Kosten ein, bis der Konkurrent mangels
Einkünfte schließen muß. Netscape konnte hingegen nicht
auf Gewinne anderer Geschäftsfelder zurückgreifen. Da nun auch
Netscape seinen Browser kostenlos anbieten musste, um nicht Marktanteile
zu verlieren, wurde Netscape somit durch diese Kosten stark getroffen.
Die Strategie von Microsoft begann zu wirken. Auch die zwischenzeitliche
Übernahme Netscape's durch AOL half nicht, den Siegeszug von Microsoft
zu verhindern. Nicht zuletzt durch die Einbindung in das eigene System
und durch das abgestimmte Zusammenspiel mit den anderen Microsoft- Programmen
setzte sich der Microsoft Explorer letztlich durch. Nutzten zuvor die Internet-
Besucher überwiegend das Netscape Produkt, so wird derzeit das Microsoft
Produkt vorgezogen.
Dieser Fall und weitere
Fälle von Ausnutzung der Marktmacht von Seiten Microsoft veranlassten
die US Gerichte zum Handeln. Unserer Meinung nach wird das Gericht letztlich
die Aufspaltung des Microsoft Konzerns beschließen. Allerdings sollte
man dabei nicht vergessen, daß dies noch mindestens ein Jahr dauern
wird, da Microsoft schon diverse Einsprüche bzw. Revisionen angekündigt
hat. Außerdem ist man im Konzern Microsoft dann auf diesen Schritt
vorbereitet. So war der überraschende Rückzug Bill Gates´
von der Konzernspitze vor wenigen Monaten ein vorausschauender Schachzug,
damit er im inneren des Konzerns unbehelligt die Aufspaltung nach seinen
Vorstellungen vorbereiten kann. So wird wahrscheinlich schon vor dem abschließenden
Richterspruch der Konzern sich entsprechend positioniert haben, und eine
Aufteilung nicht mehr nötig sein. Aber auch für den Aktionär
ist eine Aufteilung eher positiv zu werten. Derzeit sind die Summe aller
Microsoft- Bestandteile mehr wert, als die aktuelle Marktkapitalisierung
an der Börse es anzeigt. Im Falle einer Aufspaltung sollte dann eine
Neubewertung zu letztlich steigenden Kursen führen.
Das eigentliche Problem
stellen nicht die Konkurrenten, sondern Microsoft selber dar. In den
letzten Jahren ist der Konzern so groß und unüberschaubar geworden,
daß selbst Bill Gates es nicht mehr geschafft hat, schnell und unkompliziert
auf aktuelle Trends zu reagieren; die Vernachlässigung des Internets
ist da nur einer der auffälligsten Punkte. Waren es früher IBM,
die zu groß und unflexibel waren, um auf die damals kleine Microsoft
entsprechend zu reagieren, so nimmt jetzt Microsoft eine ähnliche
Stellung ein. Inzwischen zeigen viele kleine StartUps Microsoft, wo der
Weg lang geht. Durch die Größe kann Microsoft einfach nicht
mehr der Trendsetter sein, der er früher war. Somit wäre eine
Aufspaltung erst recht positiv für Microsoft zu werten.
Wir erwarten jedoch,
daß langfristig das Monopol von Microsoft immer weiter verloren
geht. Zu nennen wäre beispielsweise das kostenlose Betriebssystem
Linux, daß nicht nur kostenlos zu haben ist, verlässlicher
und teilweise schneller läuft, sondern auch im Internetbereich systembedingt
sicherer zu nutzen ist; beispielsweise die derzeitige Viruswelle kann Linux-Rechnern
nichts anhaben, da sich hier die Vernetzung und die Programmiersprache
um einiges komplexer darstellt. Hier wird es Microsoft langfristig schwer
haben, entsprechende Argumente für seine Betriebssysteme und Software
entgegenzusetzen. Aber auch die inzwischen vielzähligen Anbieter von
Konkurrenz- Software werden langfristig ein Problem für Microsoft
darstellen. Hier gibt es schon heute einige Anbieter, die nicht nur ihre
Software kostenlos anbieten, sondern diese auch im Internet zur Nutzung
bereitstellen. Somit kann man sich die Installation auf dem eigenen Rechner
ersparen, und hat immer die aktuellste Software-Version. Dies ist gerade
deshalb von großer Bedeutung, da der Trend weg von stationären
PCs, hin zu mobilen Kleingeräten geht. Warum sollte man in Zukunft
z.B. Handys, Palms oder Notebooks mit großen Speichern entwickeln,
wenn die notwendige Software im Internet verfügbar ist?! So werden
diese Geräte nur noch mit der nötigsten Software bestückt,
alles weitere wird online verfügbar sein. Wenn in nächster Zeit
der neue UMTS Standard dann das Internet auch mobil vernünftig nutzbar
werden lässt, wird sich dieser Trend verstärkt zeigen. Letztlich
werden sich die Nutzungs- Gebühren mit der Zeit in bezahlbaren Regionen
einpendeln, sodaß sich zumindest im privaten Bereich der stationäre
PC immer mehr zum Ausläufer entwickeln wird.
Wir rechnen aber nicht damit,
daß dies alles in den nächsten Monaten passiert. Auch ist davon
auszugehen, daß Microsoft der eine oder andere Coup in den nächsten
Monaten gelingt; beispielsweise könnte man sich von Seiten Microsoft
die Übernahme einiger Konkurrenten vorstellen. Auf längere Sicht
(mehrere Jahre) sollten aber einige Konkurrenten den Konkurrenzkampf mit
Microsoft überleben, und in Teilbereichen an Microsoft vorbeiziehen.
Dies wird sich dementsprechend natürlich auch in einer besseren Kurs-
Performance widerspiegeln.
Fazit:
Microsoft ist auf dem aktuellen
Niveau ein interessantes Trading- Investment.
Langfristig sehen wir jedoch
Microsoft nicht als Outperformer an. Wir erwarten, daß sich einige
Konkurrenten in Teilbereichen besser entwickeln werden als Microsoft; dies
begründet auch die Nicht- Aufnahme in unser Trend-Depot. Nicht
zuletzt aufgrund der charttechnisch riskanten Situation raten wir nur kurzfristig
orientierten, risikobewußten Investoren, Microsoft zu kaufen.
In den nächsten Wochen
werden wir einige aussichtsreiche Konkurrenten vorstellen.
Chart mit freundlicher Genehmigung der comdirect bank AG und teledata GmbH.
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