Aktie der Woche vom 18.06.00
 

Red Hat
(WKN 923989)

Branche: Linux- Software

Zur Charttechnik:
Ein erschreckender Verlauf! Innerhalb von kürzester Zeit verdreifachte sich der Wert im November letzten Jahres, um sich aktuell vom All Time High zu zehnteln (!!!). Doch wie geht es nun weiter?
Nachdem sich ein deutlich erkennbares Doppel-Top im Dezember 1999/ Januar 2000 ausgebildet hatte, kam es zu der angesprochenen Abwärtsbewegung. Diese erfolgte innerhalb eines abwärtsgerichteten Trendkanals. Anfang Mai wurde dieser Kanal innerhalb einer Seitwärtskonsolidierung verlassen; dies ist positiv zu werten, da dieser Ausbruch einen Trendwechsel eingeleitet hat. Positiv ist ebenfalls, daß die Unterstützung bei ca. 20$ gehalten hat; das kurzfristige Unterschreiten ist bisher eher als Bärenfalle zu werten. Auch wenn diese Unterstützung als eher schwach anzusehen ist, so hat sie doch psychologischen Charakter: Hier liegt der erste Handelskurs.
Auch der 38 Tage Durchschnitt gibt Anlaß zur Freude: Er wurde erstmalig seit mehreren Monaten überschritten. Auch wenn dies derzeitig noch nicht als signifikant angesehen werden kann, so sollte jeder weitere Tag oberhalb des Durchschnitts den Ausbruch untermauern und als Kaufsignal gewertet werden. Der 200 Tage Durchschnitt kann erst bei ca. 50$ einen Widerstand darstellen.
Das Momentum liefert ebenso ein positives Bild. Nachdem auch hier ein starker Einbruch stattgefunden hat, folgte eine Beruhigung auf einem Niveau von ca. 50. Hier ist ebenfalls zu sehen, daß diese Unterstützung gehalten hat. Aktuell kann man verfolgen, daß das Momentum nach der Bodenbildung eine erste Aufwärtsbewegung versucht. Sollte sich dies fortsetzen, kann man dies ebenfalls als Kaufsignal ansehen.
Ähnlich ist der MACD zu sehen. Zwar ist hier die Unterstützung und die Bodenbildung nicht ganz so ausgeprägt wie beim Momentum, doch ist hier die Aufwärtsbewegung dafür um so deutlicher zu sehen. Hier ist eine (zumindest kurzfristige) Trendwende nicht zu leugnen.
Insgesamt sehen wir Red Hat aus charttechnischer Sicht positiv. Auch wenn kurzfristig durchaus nochmal schwächere Tage folgen können, so sollte das aktuelle Niveau auf langfristige Sicht als günstig zum Einstieg eingeschätzt werden. Abgesehen von einigen Widerständen, die den Kursverlauf zeitweise bremsen werden, rechnen wir langfristig mit einer überdurchschnittlichen Entwicklung, die mittelfristig zumindest bis 50$ (200 Tage Durchschnitt) gehen dürfte.

Zum Unternehmen:
Softwareprobleme, Systemabstürze, Kompatibilitätsprobleme,...!
Jeder, der einen PC zu Hause stehen hat, wird diese und weitere Probleme schon einmal erlebt haben. Leider gibt es noch keinen Computer, der leicht zu bedienen und sicher in der Nutzung ist. Ärgerlich ist es da erst recht, wenn man für das verantwortliche Betriebssystem und die Software noch viel Geld bezahlen musste. Was also tun?
Leider gibt es kaum Lösungen für diese altbekannten Probleme. Da Microsoft in dem PC Markt der Betriebssysteme und Bedienungssoftware mit Abstand Marktführer ist, kann man sich bei der Problembehebung als Monopolist viel Zeit lassen. Warum sollte man viel Geld und Zeit von Seiten Microsoft in ein perfektes Produkt investieren, wenn daß Mängelbehaftete genauso viele Abnehmer findet?!
Doch inzwischen zeichnet sich am Horizont Hilfe ab: Linux. Das vor einigen Jahren vom Finnen Linus Torvald entwickelte Betriebssystem wurde zuerst nur mit einem Lächeln von der Presse bedacht. Lediglich einige Freaks setzten sich wirklich mit der neuen Systemoberfläche auseinander und schwärmten andächtig. Doch inzwischen ist Linux erwachsen geworden. Gerade die offene Struktur der Quellcodes (open source), die es Programmierern auf der ganzen Welt ermöglicht, das Produkt weiterzuentwickeln, macht Linux konkurrenzfähig. Von Anfang an wollte Linus Torvald, daß jeder Programmierer sein Produkt verändern, anpassen und weiterentwickeln kann. Durch das Internet wird es somit möglich, daß jeder seine weiterentwickelte Version veröffentlichen kann. Diese wiederum kann dann erneut von anderen weiterentwickelt werden. Da viele Programmierer dies als Hobby und persönliche Herausforderung ansehen, kann Torvald auf quasi unbegrenzte Kapazitäten an Programmierern zurückgreifen. Zu beachten ist hierbei, daß alles auf kostenfreier Basis funktioniert. Somit wird Linux ohne direkt entstehende Kosten immer weiter entwickelt. Das ist auch der Grund, warum dieses Betriebssystem kostenlos überall im Internet zu beziehen ist. Da es aber inzwischen einen großen Umfang angenommen hat, stellt sich der Download aus dem Internet als teures Vergnügen dar. Hier sind einige auf die Idee gekommen, das System auf CD zu brennen und zu verkaufen; eines dieser Unternehmen ist Red Hat.
Um den Anreiz des Kaufes im Gegensatz zum Download noch zu erhöhen, bietet Red Hat inzwischen hierzu noch ein Softwarepaket, Betreuung und Schulungen an. So kann ein Käufer bei Red Hat, ähnlich wie bei Microsoft, auf ein Komplettpaket inklusive Service zugreifen; dies ist besonders für Firmen von Bedeutung. Die Vorteile für den Kunden bei Linux sind neben den geringeren Softwarekosten auch u.a. die stabilere und sichere Oberfläche. Während Microsoft oft mit Systemabstürzen und unsicheren Internetverbindungen zu kämpfen hat, glänzt Linux mit einem vergleichsweise absturzfesten System und einer Oberfläche, für die z.B. für die derzeitige Viruswelle keine Gefahr darstellt.
Neben weiteren, hier nicht erwähnten, Vorteilen für den Nutzer gibt es auch einige Vorteile für den Distributor Red Hat. Im Gegensatz zu Microsoft braucht Red Hat kaum Programmierer einzustellen, da Red Hat selbst das System jederzeit kostenlos aus dem Internet beziehen kann. Die rege Weiterentwicklung garantiert außerdem, daß eventuelle Probleme relativ schnell gelöst werden. Durch diese Zeit- und Kostenersparnis kann Red Hat nicht nur das Produkt preisgünstig anbieten, sondern sich überwiegend auf den eigentlich profitablen Markt konzentrieren: Service. Hier bietet Red Hat neben der Software auch die Betreuung bei Problemen und Fragen, und entsprechende Schulungen an. Gerade in diesem Markt glänzt Red Hat mit überdurchschnittlicher Nachfrage durch die Kunden. Da ist es auch nicht verwunderlich, daß die letzten Quartalszahlen viele Analysten überraschten. Es wurde berichtet, daß der Umsatz auf Jahresbasis um 95% auf 16 Mio. Dollar anstieg, und die Verluste von 8 cents je Aktie (= 3,8 Mio. Dollar) auf 2 cents je Aktie (= 2,5 Mio. Dollar) zurückgingen; erwartet wurde übrigens ein Verlust von 4 cents je Aktie! Red Hat hat in diesem Zusammenhang erneut betont, ab dem Jahr 2001 profitabel wirtschaften zu können (bzw. Gewinne zu machen). Um dies auch langfristig sicherzustellen, werde sich Red Hat auch neuen Märkten zuwenden. So hat man erst vor kurzer Zeit auch einen Venture Capital Fonds aufgelegt. Hier will man StartUps mit jeweils 0,5 bis 2 Mio. Dollar unter die Arme greifen. Aber auch durch Übernahmen will man sich ein gewichtiges Standbein in der Internet- Branche sichern. Vor einigen Tagen hat man z.B. einen Entwickler Linux- basierter Kommunikationssoftware übernommen. Dieses Unternehmen, WireSpeed Communications Corp., hat sich auf Software für miniaturisierte Computer (z.B. Handys und Organizer) spezialisiert, beispielsweise für die Verbindung mit dem Internet oder anderen Netzwerken. WireSpeed kann u.a. Hewlett-Packard und ST Microelectronics zu seinen Kunden zählen. Durch diese Übernahme will Red Hat seine Position im boomenden Mobilfunksektor stärken.
So konnte CEO und Präsident Matthew Szulik das Unternehmen Red Hat innerhalb kürzester Zeit zum weltweit führenden Anbieter von Software und Serviceleistungen rund um das Betriebssystem Linux aufbauen. Zusammen mit Kooperationspartner wie z.B. Dell, SAP, Compaq, IBM, Intel oder Oracle will Red Hat auch weiterhin die Konkurrenz (VA Linux, Corel & Co.) in Schach halten. „Wenn wir weiterhin Erfolg haben, sind wir bald die Wal-Mart im Linux Geschäft - ein hochprofitables Serviceunternehmen“, erläutert Red Hat- Aufsichtsrat Robert Young die Strategie.
Ähnlich optimistisch äußern sich auch einige Analystenhäuser gegenüber der Red Hat Aktie. So urteilen derzeit vier namhafte US- Analystenhäuser BUY (Chase H&Q, Goldman Sachs, J.P. Morgan, Thomas Weisel Partners). Aber auch die deutschen Experten des Hauses Hornblower Fischer empfehlen derzeit den Einstieg. Ihrer Meinung nach dürfte nach den guten Geschäftszahlen und dem gebrochenen Abwärtstrend ein weiterer Kursanstieg möglich sein (Empfehlung vom 16.6.2000). Außerdem ist zu beachten, daß viele Analystenhäuser ihre positiven Einschätzungen zurückgenommen haben, als der Kursrutsch begann. Nun darf spekuliert werden, ob sich diese Häuser bei steigenden Kursen wieder zu Wort melden werden...!

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Fazit:
Das Linux Betriebs- System wird in Zukunft eine bedeutende Rolle neben dem Microsoft System spielen.
Allerdings darf man weder von den Linux- Aktien noch von dem System einen Durchbruch innerhalb der nächsten Monate erwarten. Was vor einigen Monaten mit den Aktien passiert ist, war eine Übertreibung. Ähnlich wie in der Biotech- Branche braucht es Zeit, bis sich das System letztlich etablieren wird. Man darf hier nicht vergessen, daß es Linux schon wesentlich länger gibt, als es die Aktienkurse verschiedener Firmen verraten.
Neben der vorherigen Übertreibung sind auch weitere Punkte für den derzeitigen Einbruch anzuführen. So führt u.a. das Auslaufen der LockUp Periode (= Zeitraum, in dem die Altaktionäre ihre Aktien halten müssen) derzeit zu Abgabedruck. Auch die Plazierung von neuen Aktien der Unternehmen selbst führt durch das steigende Angebot zu fallenden Kursen. Hinzu kommen die an die Börse kommenden Konkurrenten, die Kapital aus dem Markt saugen. Wenn man dann noch die Internetkorrektur und die traditionelle Sommerflaute am Aktienmarkt berücksichtigt, kann man derzeit eigentlich keine steigenden Kurse erwarten.
Da das Trendstocks Team aber langfristig orientiert investiert, empfehlen wir gerade derzeit Red Hat zu kaufen. Mit einem Anlagehorizont von mindestens einem Jahr sollte sich die Investition in den Marktführer der Linux- Softwareanbieter bezahlt machen; auch deshalb nehmen wir ihn in unser Trend-Depot auf. Wir erwarten, daß Red Hat auch in Zukunft zu den Gewinnern der Branche gehören wird, auch wenn es immer wieder zu stark schwankenden Kursen kommen wird.

Chart mit freundlicher Genehmigung der comdirect bank AG und teledata GmbH.

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