Microsoft – der gehasste Liebling vor dem Comeback?!
Chart mit freundlicher Genehmigung der comdirect bank AG und IS.Teledata AG
kennt und nutzt ihr Microsoft? Natürlich! Mögt ihr Microsoft? Natürlich nicht!
Wie kann man Microsoft auch mögen, denkt man daran, wie Microsoft damals mit allen Mitteln Netscape vom Markt gedrängt hat. Denkt man daran, wie häufig fast jeder von uns Probleme wie Abstürze, Inkompatibilitäten oder Ähnliches mit seinem Betriebssystem hat. Oder denkt man daran, wie sehr Microsoft an persönlichen Daten interessiert ist und uns alle, in den Augen vieler, versucht auszuspionieren.
Es gibt weltweit kaum ein Unternehmen, dass so gehasst und gleichzeitig so oft genutzt wird. Eigentlich paradox, bedenkt man, dass es doch Alternativen gibt. Es gibt inzwischen sogar komplett kostenlose und etablierte Betriebssysteme, das bekannteste ist Linux. Aber selbst das hat in den letzten Jahren nicht dazu geführt, dass die meist schlechte Meinung über Microsoft zu einem wirtschaftlichen Desaster für das Unternehmen wurde. Im Gegenteil!
Microsoft – die Wahrnehmung und die Realität
Seit einigen Jahren ist Microsoft sogar einer der beliebtesten Arbeitgeber Deutschlands. Vom persönlichen Umgang mit den Mitarbeitern bis zu dem zusätzlichen Freizeitangebot auf Firmenkosten – das Unternehmen scheint zu überzeugen. Auch das neue Betriebssystem Vista. Wer kann sich nicht noch daran erinnern wie es monatelang auf sich warten lies. Dann kam es endlich raus und was machte die Fachpresse? Jeder einzelne Kritikpunkt wurde breitgetreten. Es gab reihenweise Testurteile die empfahlen, lieber bei Windows XP zu bleiben. Dieses System sei stabiler und sogar leistungsfähiger. Erinnert man sich an die Einführung von XP, so sieht man viele Parallelen. Heute gibt es kaum noch PCs ohne XP. Und schaut man auf die Verkaufszahlen von Vista, so liegen die, überraschender Weise, oberhalb jeder Erwartung.
Microsoft – ein antizyklisches Investment
Um eines klar zu stellen: Ich bin auch alles andere als ein Microsoft-Fan. Auch ich quäle mich oft mit meinem Betriebssystem rum und bin der Meinung, dass man sich im Netz vor zu neugierigen Unternehmen schützen sollte. Aber ich glaube auch, dass man Unternehmen objektiv betrachten sollte. Und objektiv betrachtet ist Microsoft aktuell ein lohnenswertes, antizyklisches Investment!
Microsoft ist wirtschaftlich stabil und gut im Geschäft. Eine Netto Umsatzrendite in den letzten Jahren von rund 28% belegt dies; das schaffen noch nicht mal Industriegiganten wie General Electric oder “Meister der Profitabilität” wie die UBS. Ein aktuelles KGV von knapp 13 zeigt, dass das Unternehmen, auch im Branchenvergleich, nicht zu hoch an der Börse bewertet wird. Zudem hat es aktuell gut 30 Milliarden Dollar Cash in der Tasche. Das es diese ausgeben will und muss – laut der SEC (US-Börsenaufsicht) muss Microsoft seinen Barmittel-Bestand abbauen – zeigt auch die Übernahme von aQuantive, einem Unternehmensverbund im Bereich Online-Werbung. Dies zeigt auch, dass Microsoft im Kampf gegen Apple, Google & Co. die Trends der Zeit erkannt hat und bereit ist, sich zu positionieren.
Microsoft – Das Fazit
Microsoft ist und wird mit Sicherheit nicht so bald zum Liebling aller Computeranwender. Auch, weil Vista nicht fehlerlos ist und sein wird. Aber Microsoft hat sich mit seiner Situation als gehasster Liebling inzwischen auch ganz gut angefreundet. Außerdem scheint man es zu verstehen, die eigenen Mitarbeiter zu motivieren. Dies ist eine gute Ausgangssituation. Betrachtet man zudem, dass Microsoft mit seinen Produkten auf fast jedem Rechner der Welt vertreten ist, verbessert sich die Ausgangslage noch für zukünftige Anschlussgeschäfte (insbesondere im B2B-Segment). Zudem läuft das Software-Geschäft stetig gut und es besteht sogar Expansionspotential in finanziell beträchtlicher Höhe – in letzter Zeit waren sogar Yahoo und SAP als Übernahmeziele im Gespräch. All dies zusammen genommen mit der in den letzten Jahrzehnten gesammelten Erfahrung sollte meines Erachtens dazu reichen, dass Microsoft bald aus der seit fünf Jahren andauernden, charttechnischen Lethargie nach oben ausbricht.
Microsoft – Was ist möglich?
Charttechnisch gesehen sollte der aktuelle Wert pro Aktie (ca. 30 Dollar) dann eine dynamische Entwicklung nehmen, sodass Kurse von 40 oder gar 50 Dollar innerhalb der folgenden Monate nicht unmöglich erscheinen.
Kein Investment an der Börse – auch Microsoft – ist todsicher. Deshalb sollte immer mit StopLoss (Kurs, zu dem man im schlechtesten Fall verkaufen will) agiert werden. Am Besten stellt man es direkt nach dem Kauf in den Markt, damit man es im Ernstfall nicht vergisst, zu spät kommt oder es gar bei fallenden Kursen nach unten anpasst. Verluste begrenzen und Gewinne laufen lassen – wer diese alte Börsen-Regel ohne Wenn und Aber befolgt, hat langfristig an der Börse Erfolg!
Tschüss und bis bald auf Trendstocks,
Euer Daniel